Immunadsorption bei schweren
Multiple Sklerose-Schüben,
die auf Kortison nicht ansprechen

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Es gibt ca. 200.000 Betroffene in Deutschland, zwei Drittel davon sind Frauen. Die MS gilt als klassische Autoimmunerkrankung. Eine immunvermittelte, chronische Entzündungsreaktion in unterschiedlicher Ausprägung führt bei MS zur Demyelinisierung und Neurodegeneration. Bereits früh im Krankheitsverlauf können irreversible Nervenschädigungen auftreten mit der Folge von schwerwiegenden Behinderungen für die Betroffenen. Bei über 80% der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Ein MS-Schub ist definiert als akute Neumanifestation oder Exazerbation bereits zuvor aufgetretener neurologischer Ausfälle und Symptome, die mindestens 24 Stunden anhalten und nicht durch Änderungen der Körpertemperatur oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind.

Die Therapie der MS wird in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in einem Stufenschema zusammengefasst. An erster Stelle steht die verlaufsmodifizierende Therapie. Abhängig von milder bzw. (hoch)-aktiver Verlaufsform der MS kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz mit dem Ziel, möglichst eine Beschwerdefreiheit beim Patienten zu erreichen und die Schubrate zu verringern. An zweiter Stelle des Stufenschemas steht die Schubtherapie. Standard in der Behandlung des akuten MS-Schubes ist die intravenöse Glukokortikosteroid (GKS)-Pulstherapie über drei bis fünf Tage unter stationären Bedingungen. Bleiben die Symptome des Schubes nach GKS-Pulstherapie funktionell beeinträchtigend, kann ein zweiter GKS-Puls in Betracht gezogen werden. Bei fortdauernder Symptompersistenz muss danach entsprechend den Leitlinien der Plasmaaustausch bzw. die Immunadsorption erwogen werden.

Der Plasmaaustausch bzw. die Immunadsorption sind nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als Eskalationstherapie bei steroidrefraktären MS-Schüben indiziert. Die Effektivität des Plasmaaustausches in der Behandlung des steroidrefraktären MS-Schubes konnte in mehreren klinischen Studien gezeigt werden. Mit Immunadsoprption, speziell der Tryptophan-IA, wurden in jüngster Zeit bei zusammen mehr als einhundert Patienten vergleichbare Ergebnisse zum Plasmaaustausch erzielt. Die Ansprechraten lagen um 80%. Insbesondere bei Patienten mit einer Optikusneuritis als Schubsymptom wurden gute Erfolge erzielt.

Spezialsituationen, in denen die Immunadsorption zum Einsatz kommen kann, sind der MS-Schub während Schwangerschaft und Stillphase oder im Kindes- und Jugendalter, sowie bei der Therapie der Natalizumab-assoziierten progressiven multifokalen Leukenzephalopathie.


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Weiterführende Literatur

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