Immunadsorption

Die Grundlage für die akute oder auch langfristige Therapie mit der Immunadsorption als Weiterentwicklung der Plasmaaustauschbehandlung ist die pathophysiologische Relevanz vorhandener Autoantikörper für das Entstehen oder Fortschreiten immunologischer Erkrankungen. Der Einsatz der Immunadsorption positioniert sich bei den verschiedenen Indikationen sowohl ergänzend als auch konkurrierend zur Gabe von Immunglobulinen, Steroiden, dem gesamten Spektrum der Immunsuppressiva und Biologika. Immunadsorber verwenden für die Adsorption von Immunglobulinen und Immunkomplexen verschiedene gruppenspezifische Liganden, die sich auf einer Sepharose- oder Polyvinylalkoholmatrix befinden und entweder als Membran oder in Gelform mit dem Plasma in Kontakt treten.


Für die Immunadsorption stehen verschiedene Adsorbertypen zur Verfügung, zum Beispiel die Tryptophan-Immunadsorption (TRIA) mit Einwegadsobern. Hierbei kommt ein Adsorbermaterial zum Einsatz, das über die Interaktion mit Tryptophan auf Polyvinylalkohol als Trägersubstanz Antikörper und Immunkomplexe aus dem Blutplasma adsorbiert. Ein immunmodulatorischer bzw. immunsuppressiver Effekt lässt sich hierdurch therapeutisch nutzen. Der Therapieeffekt der Immunadsorption bei autoantikörpervermittelten Erkrankungen hat drei wesentliche Wirkmechanismen: die unmittelbare intravasale Absenkung der Autoantikörper- und Immunkomplex-Konzentration, die hierdurch gepulste Antikörperumverteilung und nachfolgende immunmodulatorische Veränderungen auf zellulärer Ebene. Zur Behandlung akuter Krankheitsbilder hat sich ein Therapieschema bestehend aus sechs Behandlungen, verteilt über einen Zeitraum von zwei Wochen, bewährt.


Eine Auswahl von Krankheitsbildern, die mittels Immunadsorption
behandelt werden können

Neurologie

  • Multiple Sklerose (MS)
  • Guillian-Barré-Syndrom (GBS)
  • Myasthenia gravis (MG)
  • CIDP
  • Autoimmune Enzephalitiden

Kardiologie

  • Dilatative Kardiomyopathie (DCM)

Transplantation

  • Antikörper-vermittelte Transplantatabstoßung

Nephrologie

  • Goodpasture Syndrom
  • FSGS
  • Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
  • Wegener Granulomatose

Dermatologie

  • Pemphigus-Erkrankungen

Hämatologie

  • Hemmkörper-Hämophilie A
  • Thrombozytopenische Purpura (TTP/ITP)



Bei Erkrankungen, bei denen pathogenetisch und klinisch relevante Autoantikörper auftreten, stellt die Immunadsorption einen unmittelbar pathophysiologisch begründeten, plausiblen Therapieansatz dar. Die Therapeutische Apherese ist in diesen Fällen häufig eine Alternative zur intravenösen Immunglobulingabe (ivIgG), deren Effekt darin besteht, dass die Erhöhung der intravasalen Antikörperkonzentration den intrazellulären Abbau der Antikörper insgesamt und damit auch des Autoantikörpers stimuliert. Hieraus leitet sich direkt eine differentialtherapeutische Überlegung ab, die sich klinisch bestätigt. Der Effekt der Therapeutischen Apherese wird rasch einsetzen, während ivIgG verzögert wirkt. Dieser rasche Wirkungseintritt ist ein wichtiger genereller Aspekt der Differentialindikation der Immunadsorption.



Bei der Immunadsorption werden die Antikörper und Immunkomlexe aus dem Plasma gezielt an mikroskopisch kleine Kugeln mit einer speziellen Oberflächenstruktur gebunden

Für weitere Informationen zum Thema Immunadsorption wenden Sie sich gerne an das Apherese ForschungsInstitut.



Weiterführende Literatur

  • Klingel R, Fassbender C, Heibges A. Therapeutische Apherese in der Neurologie – Plädoyer für die Immunadsorption. Spektr Nephrol (2011) 24: 3-12.
  • Klingel R, Heibges A, Fassbender C. Neurologic diseases of the central nervous system with pathophysiologically relevant autoantibodies - Perspectives for immunoadsorption. Atheroscler Suppl (2013) 14: 161-165. Abstract
  • Weinstein R. Therapeutic apheresis in neurological disorders. J Clin Apher (2000) 15: 74-128. Abstract

Bitte beachten:

Die auf diesen Webseiten des Apherese ForschungsInstituts dargestellten Informationen zu Therapiekonzepten, Therapieverfahren und Krankheitsbildern sind ausschließlich zur Nutzung durch medizinische Fachkreise bestimmt.

Wenn Sie kein Angehöriger dieser Fachkreise sind, könnte der auf diesen Webseiten dargestellte Inhalt für Sie unverständlich sein.

Durch Klicken auf die Schaltfläche „Zur Kenntnis genommen und akzeptiert“ bestätigen Sie, dass Sie diese Mitteilung zur Kenntnis genommen haben und diese ausschließlich für medizinische Fachkreise bestimmten Informationen lesen möchten. Sollten Sie nicht zustimmen, klicken Sie bitte auf „Zurück zur Homepage“.